Das Ober-Ingelheimer Haderbuch 1518-1529 

Bl. 186

04.04.1527  / Donnerstag nach dem Sonntag Letare Jerusalem

Transkription

Dornʃtag nach dem ʃondag
Letar iheruʃalem

Zwūßenn Thomas petern vonn parthenheim clageř eins
Thomas pe(ter) vnnd hern(n) Niclaus naßaūwer beclagtenn anderntheyls
vonn parthenh(eim) Nach • clag / antwurt beydertheyl furbrengen vnd rechtʃatze
Erkennt der ʃchoffenn zūrecht † Beweist thomas peter ( laūt
ʃeines furbrenges das ʃie beide partheyenn dem amptmann zū
S(e)n(tent)ia Oppenheim jr jrung alhie zů Jngelnheimer grūnde gehapt
vnnd mit Recht vßzufūren verʃprochenn • ʃol gehort werd(en)
furter zugeʃcheenn was recht ʃeynn wirtt • nach eroffnůg
begert her Nicl(as) der abʃchriefft vnd dage ʃich darůff zubdeck(en)
h(er) niclaus naßaůe(n) das jme vergūnʃt vnd ʃal der theyl mit der kūnde fur ein(n) vn-
geuōrt ʃeynn als uff das neheʃt gericht

Erkennt Jtem wilhelm metzler Erkennt ackerhansenn Spitale
meiʃter zū Nidernn Ing(elheim) zwentzig alb neheʃt oʃter vßzurich(ten)

Fūlmūts hen- Jtem Filmūts henrich gibt antwūrtt vff inbrachte clag Tho-
riche mas ʃtūdenn Sagt er geʃthe jme keyner guter die er jnhab
Thomas ʃtūde dar zu er ʃthūde gerechtigkeit hab • auch keiner fūrderůnng
Bit ʃich von derclag derhalbenn ledigk mit erʃthatung cost(en)
vnd ʃchadenn zūerkenne(n) vorbehalt noittūrfft Dargeg(en)
Steūde rett gemeyn inrede repetirt ʃeyn inbrachte worhafftig
clagenn vnd wie gehort das jme von dem beclagt(en) die ʃelbige
nit geʃtendig wil er Steūde die zemliche ʃunder vberflūs
mit dem gerichts vffgefft(en) bůch beweyʃenn Daruff jm[a] dag
gebenn • vt moris

Spietall nider(ingelheim) Jtem Acker hanß Spitalmeiʃter des Spitals zu Niderningelnhei(m)
lūpes henn von gnant Spitals wegenn Spricht zů lūpes henn vor vj fl
zū gūter Rechnu(n)g erwaßenn von j fl jerlicher gūltenn welche
ʃchult dann philips moler ʃeyn vorfař verʃeßenn jme ʃch de(n)
Spitall ʃchuldig plibenn • Begert bezalůng mit ʃampt dem coʃt(en)
Setz zu recht

Jdem Spricht jme zū vor xx alb ʃo er dem Spitall aůch ʃchuldig
Jdem c(on) eůdem(m) Begert der gleychenn bezalung wie ob(geschrieben) • Daruff hat der beclagt
ʃchūp ad proxi(mu)m

Acker hanß Jdem Acker hanns ʃůo no(mi)ne Spricht zū jacob vonn Wolffsheim
Jacob vonn Sagt das er dis jars eynn hauffenn haws vngeuerlicher maße
wolßheim j hab heim gefūrtt jme clager zuʃtendig bit derhalb den
er acht vor zwenzig ʃechs alb Bit bezalung ader der clag recht
liche antwūrtt ja oder neyn Re(us) h(abe)t t(empus) ad p(roximu)m

[a] Am Wortanfang steht ein »v«.

Übertragung

Donnerstag 4. April 1527

Zwischen Thomas Peter von Partenheim als Kläger auf der einen und Herrn Niclaus Naßauer als Beklagtem auf der anderen Seite. Nach Klage, Antwort, beiderseitigen Vorbringungen und Rechtsetzungen erkennen die Schöffen als Recht: Beweist Thomas Peter gemäß seinem Vortrag, dass beide Parteien den Amtmann zu Oppenheim versprachen, dass sie ihre Rechtsache hier im Ingelheimer Grunde austragen, so soll es gehört werden, dann geschehe weiter, was Recht sein wird. Nach der Eröffnung fordert Herr Niclaus eine Abschrift und seine Tage, sich deswegen zu bedenken. Wurde ihm gegönnt und der Teil mit der Beweisführung soll ungehört sein bis zum nächsten Gerichtstag.

Wilhelm Metzler erkennt an, Hans Acker, dem Spitalmeister zu Nieder-Ingelheim 20 Albus bis Ostern zu bezahlen.

Henrich Fulmot gibt Antwort auf die von Thomas Stude vorgebrachte Klage und sagt: Er gestehe ihm keine Güter, die er innehabe, an denen Stude ein Recht habe und auch keine Forderung. Er bittet ihn von der Klage freizusprechen mit Erstattung der Kosten und des Schadens, vorbehalten seinen Rechtsmittel. Dagegen sagt Stude eine allgemeine Gegenrede und wiederholt seine vorgebrachte wahrhaftige Klage wie gehört. Da der Beklagte ihm die nicht gestehe, so will Stude die angemessen und ohne Überfluss mit dem Uffgiftbuch beweisen. Dafür wurde ihm der Tag gegeben, wie es Gewohnheit ist.

Hans Acker, Spitalmeister des Spitals zu Nieder-Ingelheim klagt für das genannte Spital Henne Lupes an wegen 6 Gulden zu guter Rechnung, angelaufen von 1 Gulden jährlicher Gülte, welche Schuld sein Vorfahre Philipp Muller an ausstehenden Geld dem Spital schuldig blieb. Er fordert Bezahlung mitsamt den Kosten. Das legt er dem Gericht vor.

Er klagt ihn ebenso an wegen 20 Albus, die er dem Spital auch schuldig sei. Er fordert deren Bezahlung wie oben. Darauf erhält der Beklagte Aufschub bis zum nächsten Gerichtstag.

Hans Acker klagt in seinem Namen Jacob von Wolffsheim an und sagt: Dass jener dieses Jahr einen Haufen Heu heim geführt habe, das doch dem Kläger zugestanden hätte, das achte er auf 26 Albus. Er bittet um Bezahlung oder die Antwort auf die Klage vor Gericht Ja oder Nein. Der Beklagte hat seinen Tag am nächsten Gerichtstag.

Registereinträge

Abschrift   –   Acker, Hans   –   ad proximum (judicium)   –   Albus (alb)   –   Amtmann (Offiziat)   –   Amtmann (Oppenheim)   –   Antwort (antworten)   –   Beklagte(r)   –   Donnerstag   –   Einrede   –   Erkenntnis (erkennen)   –   Fulmot, Heinrich (Henrich)   –   Gerechtigkeit   –   Gerichtsbuch   –   Geständnis (geständig)   –   Guelte (Gülte)   –   Gulden (fl)   –   habet (habent) tempus (juris) (moris)   –   Herren (Herrenstatus)   –   Heu   –   Ingelheimer Grund   –   Irrung   –   Jahr (jährlich)   –   ja oder nein   –   Klaeger(in) (Kläger)   –   Kosten   –   Kosten und Schaden (Paarformel)   –   Kunde (Kundschaft, Kundsage)   –   Lateinische Rechtsbegriffe (Auswahl)   –   Letare Hierusalem   –   Lupes, Henne   –   Metzler, Wilhelm   –   Muller, Philipp   –   Nassauer, Niclaus   –   Notdurft   –   Ostern   –   Partenheim (Ort)   –   Rechnung (Abrechnung)   –   Rechtsetzung   –   reus (rea)   –   Schoeffen (Gerichtsschöffen)   –   Schuld (Schulden)   –   Spital (Nieder-Ingelheim)   –   Spitalmeister   –   Stude, Thomas   –   Thomas, Peter   –   Ufgiftbuch   –   ut moris (est)   –   Vorfahren   –   Vortrag (Vorbringung)   –   Wolffsheim, Jakob von   –