Das Ober-Ingelheimer Haderbuch 1518-1529 

Bl. 109v

15.03.1524  / Donnerstag nach Judica

Transkription

Dicta teʃti(mo)n(ia) kūnde Sag Cols hanʃenn widder vnd zugegenn Lorencz kanck-
Cols hansenn ernn wenner henn als Erʃter kūnd iʃt durch denn Schultheiʃ(en)
c(on)(tr)a Lorentz geydt vnd hait gelopt vnd geʃwornn wie recht aūch vor
kanckernn mey[n]ide pfinn vnd ʃchult genugʃam gewarnt ʃagt Er ʃy alt vmb
vier vnd fūnfʃig ihar ongeuerlich nit Jm ban keyner acht
hoit vffe alle fragʃtůck geque(m)lich vnd wol geantwůrt vnd vff den
Principal artickell dar vmb der kund vorgeʃtelt ʃagt / Er geʃthe
das er Jme einn morgenn da ʃelbʃt Lůedt der clag zukauff
gebenn hab den dann ʃynn des kūndes vatter vormails vmb ada(m)
vonn Raesbach gekaufft hab / vnd Er hab der forth keynn Eygent
lich wiʃʃenn / wie lang Jn aber ʃynn vatter ʃelig hab ingehat
ʃy Jme aūch nit wiʃʃentlich · Et inpositum Teste ʃilenciu(m) vt mor(is) ·
Secundūs Testis Helffrich wierdt zur kanne(n) Erma(n)t vnd befrogt
wie recht alt vngeuerlich vmb funff vnd drieʃʃig ihar viertzig iar
Sagt Er Helffrich hab denn acker eynn ihar duch Inn keyne(n)
beʃtentnis ingehabt avch das der Alt wenner hans den ack(e)r
namlich eynn morgenn klein vmb Adam vonn raßsbachs ʃelig(en)
hūʃchfraūw erkaufft Namlich vmb xiiij alb ab eng aber der ac-
ker sy dar vmb dieʃʃer k krieg weiß er nit dann Er der kūnd
Inn zehenn ihar nit dar vff komenn verner iʃt jm nit wiʃʃen
Et impoʃitum eʃt teʃte Silencium iʃt verbot noch Eroffnůng

Actum Dinstag nach Juͤdica anno xxiiijo

Diel vonn Bick- Jtem Jost ʃcherer Exp(ar)te Dielnn vonn bickenbach vnd ʃynem anhang
enbach Sagt wie das daes gegentheil Jacob mūller neʃtem v(er)ʃchine(n) ge
Jacob muller richt gezeūgenn gefort vff vnd eroffnet welche ʃ gezūgenn In
rechtenn vnformlich vnd mangel Irer ʃtūck jm rechtenn / beʃon-
derlich denn artickel das Er noch nit dar gethan hait wie Er
ʃich ernent hot wie nahe er der verlaʃene guter eynn Starckenn
margrethenn eynn Erb ʃŷ der halb Ime gezugenn gefort vnnoit
Am andernn artickel das die ʃelbigenn gezůg(en) an diʃß gerecht nit
erʃtreck mogenn werdenn Sonder zu ʃauwelheim eyn kuntʃchafft
gemacht iʃt als vonn wegenn ʃynes geʃtorbenn ʃtieffs ʃons der

Übertragung

Zeugenaussage in der Sache Hans Col gegen Lorentz Kancker. Henne Wenner als erster Zeuge ist durch den Schultheißen vereidigt worden und hat gelobt und geschworen, wie es Recht ist, ist auch vor Meineid, Strafe und Schuld genügend gewarnt worden. Er sagt: Er sei 54 Jahre alt ungefähr, nicht im Bann oder einer Acht. Und er hat auf alle Fragen wohl und willig geantwortet. Und auf den Hauptartikel, wegen dem der Zeuge vorgeladen wurde, sagt er: Er gestehe, dass er ihm einem Morgen dort zum Kauf gegeben habe, den einst des Zeugen Vater von Adam von Rasbach gekauft habe. Und er habe weiter kein eigentliches Wissen. Wie lang es sein verstorbener Vater innehatte, wisse er auch nicht. Und dem Zeugen wurde Stillschweigen auferlegt, wie es Sitte ist. Der zweite Zeuge, Helffrich, Wirt zur Kanne, wurde ermahnt und befragt, wie es Recht ist. Er ist um 45 Jahre alt. Und er sagt: Er, Helffrich, habe den Acker ein Jahr doch ohne einen Pachtvertrag inngehabt. Auch habe der alte Hans Wener den Acker, nämlich einen kleinen Morgen, von der verstorbenen Frau von Adam von Rasbach gekauft, nämlich für 14 Albus. So eng, wie der Acker sei, wegen dem dieser Rechtsstreit ist, da wisse er nichts weiter davon, als dass er, der Zeuge, in 10 Jahren nicht darauf gekommen sei. Weiteres wisse er nichts. Und dem Zeugen ist Schweigen auferlegt worden. Ist festgehalten worden, Eröffnung.

Dienstag 15. März 1524

Jost Scherer für Diel von Bickenbach und seien Anhang sagt: Dass die Gegenseite, nämlich Jacob Muller, am vergangenen Gerichtstag Zeugen vorgeführt und eröffnet habe. Diese Zeugen waren nach dem Recht unförmlich und es mangele ihnen am Recht; insbesondere in dem Artikel, dass er noch nicht dargelegt hat, wie er sich genannt hat, wie nahe er ein Erbe an den hinterlassenen Gütern von Magret Stark sei. Deswegen sei es für ihn unnötig die Zeugen zu befragen. Zum anderen Artikel, dass die genannten Zeugen sich nicht vor diesem Gericht einfinden können, sondern dass zu Saulheim eine Zeugenaussage gemacht wurde wegen seines verstorbenen Stiefsohnes, der

Registereinträge

Acht   –   Acker (Acker)   –   Albus (alb)   –   Anhang   –   Artikel   –   Bann und Acht (Paarformel)   –   Bickenbach, Diel (von)   –   Col, Hans   –   Dienstag   –   Eid (vereidigt)   –   Erben   –   Fragstücke   –   Gegenteil (Gegenpartei)   –   Gericht (Ingelheim)   –   Hausfrau   –   Helffrich der Wirt   –   impositum est teste silencium   –   Jahr (jährlich)   –   Judica   –   Kancker, Lorentz   –   Kannen (Wirtshaus)   –   Klage   –   Krieg (Streit)   –   Kunde (Kundschaft, Kundsage)   –   Kunde (Zeuge)   –   Meineid (meineidig)   –   Meineid, Pfinn und Schuld   –   Morgen (Maß)   –   mos (moris)   –   Muller, Jakob   –   Pacht   –   Poen (Pön)   –   Principalartikel   –   Rasbach, Adam von   –   Recht (Gericht)   –   Recht (Recht)   –   Saulheim (Ort)   –   Scherer, Jost (Joist)   –   Schuld (Schulden)   –   Schultheiß (Ober-Ingelheim)   –   Starck, Margred   –   Stiefsohn   –   testimonia   –   testis   –   Tod (Todesfall)   –   Vater   –   Wener, Hans   –   Wener, Henne   –   Wirt (Beruf)   –