Ober-Ingelheimer Haderbuch 1518-1529 

Bl. 096

19.01.1524  / Dienstag nach Antonius dem Abt

Transkription

1 h Jtem Lorencz Kancher hat Eynn Erst h gethann vff hanß bůʃernn vor
eynn ganß vonn eynem f(irte)l wingart im beldenn / vnd ʃolich vnder pfande
vndenn zů geůor hartmans henn fraůwe iczūnt jacobs drom(m)enstlaher

Hans von flaʃtat Jtem hans vonn floʃtadt ʃagt daß em ʃteffenn vonn Hattenheym ʃyn
Steffenn von gūtt ʃo eme vonn / Backenn Elsenn / wordenn iʃt / hab verbottenn / Nūnn ʃtell
hattenheym er ʃin lieb vor ʃin gůdt recht zūe nemenn vnd zü gebbenn Dar vff em der
Schūlt(heiß) ʃin gutt ledig gebenn /

Cols hans Jtem Cols hans ʃpricht zü Lorencz Kanckernn vnd ʃagt wie er der Cleger
Lorencz Kancker hab eynn acker erkaūff vmb wenner henne am Eʃenheymer weg gefor
Bernhart Hornecken ʃagt / er der Cleger hab ʃolichenn acker geʃehet mit
weÿß der halber Lorencz Kancker jm dem cleger die frūcht verbotternn vnd
doch Lorencz denn cleger wÿter beclagt vor dem Amptma(n) durch ʃolich clag
diʃʃer cleger vor eynne gewalt angenome(n) iʃt wordenn aūch dem amptma(n)
verheiʃʃenn iiij fl vor denn broche verhofft diʃʃer Cleger diewyll der
acker ʃin iʃt auch die frūcht der vff erbūett hot er ʃoll ene vnbillich zū
ʃolichenn ʃchadenn bracht han vnd Lorencz ʃoll erkant werdenn solichenn
gewalt ab Zūdragenn dem cleger one ʃchadenn / vnd wo dem cleger nit
geglaubt wūrd der acker ʃin ʃÿe begert er czemlich zū bewÿʃenn we ver-
hofft ʃollt erkant werdenn / jm ʃolichenn gewalt zūerkenne(n) mit forbehalt
vt Jūris Dar vff Lorencz syn tag ad p(ro)x(imu)m habet

Jacob drome(n)ßtleer Jtem Jacob dromenʃtleger ʃagt wie das Jacob vonn wolffʃheym
Jacob von wolff erkant iiɉ fl in das gerichts būche vnd dem Erkentnis nit noch komenn
heym bitt der halbenn Erfolgniß vffs būch zūerkenne(n)

Schnaden Els Jtem Schnadenn Elß gibt antwūrt Thyß Hadamernn ʃie geʃte Thieße(n)
Theys Hadamer ʃynn clag zűmaill nit dar vff theyß ʃich czūgt vff kūnde ht ʃin tag jūr(is)

Jtem die ʃach zwiʃʃenn Hans Jegernn vnd peter vonn bing iʃt
gelengt ad pro(ximu)m

Gelengt Jtem derglychenn iʃt gelengt die ʃach zwyʃenn frawe agnes ʃtoͤck
in vnd Thomaʃen goczenn hengiß nach[a] fare

1 h Jtem 1 h peffer henne Ex p(ar)te der Jūnckffraue(n) Sanct Claernn zů
die Mencze vff ij lb hlr jerlicher gūlt vt pignūs des ʃtorckellers hůß
in der Rinderbach

[a] eiegntlich steht »noch«.

Übertragung

Lorentz Kancker hat eine 1. Klage getan gegen Hans Buser wegen einer Gans von einem Viertel Weinberg im Belchen und auf die Pfänder, die unten angrenzen an die Frau von Henne Hartman, jetzt Jacob Dromensleger.

Hans von Floßstadt sagt, dass Stephan von Hattenheim ihm seinen Besitz, den er von Else Back erhalten hat, mit Verbot hat belegen lassen. Nun stelle er seinen Leib vor sein Gut, um Recht zu nehmen und zu geben. Darauf hat der Schultheiß ihm sein Gut frei gegeben.

Hans Col klagt Lorentz Kancker an und sagt: Er, der Kläger, habe von Henne Wenner einen Acker gekauft am Essenheimer Weg neben Bernhard Horneck. Und der Kläger sagt, er habe auf solchem Acker Weizen ausgesät. Jetzt habe Lorentz Kancker ihm dem Kläger die Frucht verboten und doch hat Lorentz den Kläger weiter beklagt vor dem Amtmann. Auf diese Klage hin wurde der Kläger in die Gewalt genommen und er hat auch dem Amtmann zugesagt 4 Gulden zu zahlen für den Rechtsbruch. Nun hofft dieser Kläger, weil es sein Acker ist und er die Frucht auch angebaut hat, er soll gegen die Billigkeit zu Schaden gebracht worden sein und Lorenz soll erkannt werden, die Gewalt zu beenden und den Kläger ohne Schaden zu lassen. Und wenn dem Kläger nicht geglaubt werde, dass der Acker sein sei, dann begehrt er das angemessen zu beweisen. Und er hofft, es solle ihm erkannt werden, ihm die Gewalt über seinen Acker zuzuerkennen mit Vorbehalt, wie es Recht ist. Darauf erhält Lorentz seinen Tag bis zum nächsten Gerichtstag.

Jacob Dromensleger sagt, das Jacob von Wolffsheim 2 ½ Gulden anerkannt hat, wie im Gerichtsbuch zu finden und seinem Bekenntnis nicht nachkommt. Er bittet seinen Anspruch auf das Buch eingeklagt zu haben.

Else Schnade gibt Antwort auf Theis Hadamar: Sie gestehe Theis seine Klage nicht. Darauf beruft sich Theis auf Zeugen und erhält seinen Tag, wie es Recht ist.

Die Sache zwischen Hans Jeger und Peter von Bingen ist verlängert worden bis zum nächsten Gerichtstag.

Ebenso ist die Sache zwischen Frau Agnes Stock und Thomas Gotzhengen weiter verschoben worden.

1. Klage von Henne Pfeffer für die Nonnen von St. Klara zu Mainz wegen 2 Pfund Heller jährliche Gülte und auf die Pfänder, das Haus von Storckeller in der Rinderbach.

Registereinträge

Acker (Acker)   –   ad proximum (judicium)   –   Amtmann (Offiziat)   –   Antwort (antworten)   –   Back, Elisabeth (Else)   –   beldenn   –   Beweis (beweisen)   –   Billigkeit (Unbilligkeit)   –   Bingen, Peter von   –   Buch (Gerichtsbuch)   –   Buser, Hans   –   Col, Hans   –   Dromensleger, Jakob   –   Erfolgnis (erfolgen)   –   Erkenntnis (erkennen)   –   Essenheimer Weg   –   Floßstadt, Hans von   –   Frau (Frau)   –   Frucht   –   Gans (Gänse)   –   Gerichtsbuch   –   Gewalt   –   Gotz, Henne (Henges)   –   Gotz, Thomas   –   Guelte (Gülte)   –   Gulden (fl)   –   Hadamar, Theis (von)   –   Hartman, Henne   –   Hattenheim, Stephan von   –   Haus (Haus)   –   Heischung (h) (heischen)   –   Heller (hlr)   –   Horneck, Bernhard   –   Jahr (jährlich)   –   Jeger, Hans   –   Kancker, Lorentz   –   Kaufvorgang   –   Klaeger(in) (Kläger)   –   Kunde (Zeuge)   –   Lateinische Rechtsbegriffe (Auswahl)   –   ledig (ledigen)   –   Leib vor sein Gut stellen   –   Nachfahre   –   Pfand (Unterpfand)   –   Pfeffer, Henne   –   Pfund (lb)   –   pignus   –   Rechtsvorbehalt   –   Rinderbach   –   saehen (sähen)   –   Schnade, Else   –   Schultheiß (Ober-Ingelheim)   –   St. Klara (Mainz)   –   Stockin, Agnes   –   Storckeller   –   ut (quod) juris (est)   –   verboten (Verbotung)   –   vertagen (Vertagung)   –   Viertel   –   Weizen   –   Wener, Henne   –   Wingert   –   Wolffsheim, Jakob von   –