Das Ober-Ingelheimer Haderbuch 1518-1529 

Bl. 085v

02.09.1523  / Mittwoch nach Decollatio Sancti Johannis

Transkription

Mitwochen nach decollacio(n)is Sancti johannis
Oder nach Egidij abbatis

dachßwiler Jtem die Būwemeister zü dachßwijler / haben daß gijfft būche laijßen
leʃenň von der gifft So cleßgen becker vnd hammes peter der kijrchen zū
dachßwijler gethane jn anno lxxxj tercia post vitj / vnd nach der verle-
ʃūng haben ʃie begert eijn gerichts brieffe jn gewonlicher forme

henrichs philips Jtem Cleʃe yrich gibt ʃchrijfftlich antworth / heijnrichs philipʃen / der
Cleß jrich dan ʃin Cleʃen Stijeff dochter zü der Ee haijtt vnd verhofft / Er Cleʃe yrich
vnd ʃin Eeliche huʃchfraūwe haben eijnander zü erben / jnne jre beijder
erkaūfften / errongen / erwonnen vnd vff erʃtorben gūternň / vnd noch bij
jrer beijden leptag lang zū jren handen komen moͤgen / hofft Cleʃe y-
rich ʃoll ʃich als eijn cleger / bij der erʃten verantworth benūgen laißenň
wijll ʃolichs zū recht geʃatzt haben wije vor aūch zū recht geʃatzt vnd ge-
benň jʃt / Dar vff philips Sagt / er laijß jnß aūch bij ʃinem fo-
Ad ʃocios fact(um) rigen rechtsatze vnd Setzt aūch zű recht Ambo ad ʃocios

helffrich wirt Jtem helfferich der wirth zur kannen fragt peter Swinden / ob er
peter vrbüttig bij deß būsers kelner den walt zu betzalen wije der er-
peter Swinde kaūfft ʃij oder nit / Dar vff peter Swind ʃin tag hait geheiʃchenň
sich zü bedencken zwißem nehʃtenň gericht

Stephan von hattenheij(m) Jtem hanß von flaeʃtadt gibt antwort Stephan von hattenheijm
hanß von flaeʃtadt wije nachfolgt Vff anclag Stephans von hattenheijm Erʃchint
hanß von flaeʃtatt vnd ʃagt nach dem jn ʃolicher clagen vorgetrag(en)
werde / wije er hanß / ʃich nach abʃterben Backen Elʃen ʃeligen widder
die billicheijt vnd daß recht / der gūter vndertzogen hab / So von back
hengen vnd dijna geʃwister / an cleß backen vnd Elʃen Eelūde / als
Stijeffvatter vnd mūtter bemelter geʃwistert komen wije dan die
clag ʃolichs vor vnd nach jnhelt etc welchs fūrtragens er der ver-
clagt gar nit geʃtendig / mag aūch dūrch den cleger zu recht genūg
nit bewijßt werden / vnd verhofft hanß von flaeʃtadt / der halb vonň
dißer clage ledig erkent zū werden / mit ablegūng Coʃtens vnd ʃcha-
tens vorbehaltlich alle nottūrfft / Dar vff lenhart fluͤcke /als
Reddener Stephans / nijmpt ane daß der krijeg dūrch nit geʃtahen
beweʃtigkt jʃt / erbeūt ʃich die clage zemlich zü bewiʃen / vnd bit vmb
tagʃatzūng / hait ʃin tag zū xiiij tagen / Bit fūrter vmb daß būche
Sin bewijʃūng jn Crafft dar zü thun am nehʃten gericht

Erf(olg)t • p • b • Jtem jeckel rūdiger ex(par)te haberkornß erfolgt jorg leijdendeckern vffs
bůche jn Crafft / vnd hait pfand beredt būttel etc vt juris Solichs hait
jeckel verbott

moller henne Jtem lorentz Schnorre anwalt ʃiner ʃwester Elsen Eva / haijt gegenň
lorentz Schnorre moller henne jngelegt wije nachfolgt Jtem lorentz Schnorre anwalt
Elʃen Eva / henne kremers verlaßen witwen gibt diß geʃchrebenň
antwort gegen mollerhenne / der eijn vermeijnter erbe henne kre-
mers ʃeligen wijll ʃin vnd verhofft Eūa anwalt / daß henne kremer
hab macht gehait / ʃin ʃwester zu erben / vrʃach vor jm handell er-
tzalt / wijll als antworter zū recht geʃtelt haben / wije vor aūch zū

Übertragung

Mittwoch 2. September 1523

Die Baumeister zu Daxweiler haben das Grundbuch vorlesen lassen wegen der Übergabe, die Cleßgin Becker und Peter Hammes der Kirche zu Daxweiler gemacht haben am 19. Juni 1481 und nach der Verlesung haben sie eine Gerichtsurkunde in der üblichen Form gefordert.

Cles Yrich gibt schriftliche Antwort auf Heinrich Philip, der seine, Cles', Stieftochter als Ehefrau hat und hofft, er, Cles Yrich und seine Ehefrau haben einander zu Erben in ihrer beiden gekauften, errungenen, gewonnenen und ererbten Gütern eingesetzt und auch in die, die sie zu Lebenszeiten noch erwerben könnten. Daher hofft Cles Yrich, der Kläger soll es bei der ersten Antwort genügen lassen und will das dem Gericht vorgelegt haben wie zuvor. Dagegen sagt Philipp, er lasse es auch bei seiner vorherigen Rechtssetzung und legt es dem Gericht vor. Beide an das Vollgericht.

Helffrich der Wirt zur Kanne fragt Peter Swinde, ob er, Peter, bereit sei bei dem Keller des Busers den Wald zu bezahlen, wie der gekauft worden sei oder nicht. Darauf hat Peter Swinde seinen Tag gefordert, sich zu bedenken bis zum nächsten Gerichtstag.

Hans von Floßstadt gibt Antwort auf Stephan von Hattenheim wie folgt: Auf die Anklage von Stephan von Hattenheim hin erscheint Hans von Floßstadt und sagt: Nachdem ihm solche Klage vorgetragen werde, dass er, Hans, nach dem Tod von Else Back gegen die Billigkeit und das Recht die Güter an sich gezogen habe, die von den Geschwistern Henne Back und Dina an Clese Back und seine Ehefrau Else als Stiefvater und Mutter der genannten Geschwister gekommen seien, wie es die Klage beinhaltet. Dies gesteht der Beklagte nicht; es kann auch durch den Kläger nicht dem Recht genügend bewiesen werden. Und Hans von Floßstadt hofft, deswegen von dieser Klage freigesprochen zu werden mit Ablegung der Kosten und des Schadens, vorbehalten alle Rechtsmittel. Darauf nimmt Lenhard Fluck als Redner für Stephan den Rechtsstreit an, der durch das Nichtgestehen befestigt worden ist. Und er bietet an, die Klage geziemend zu beweisen und bittet um die Tagsetzung. Er hat seinen Tag in 14 Tagen. Und er bittet weiter um das Buch, um seinen Beweis darzulegen am nächsten Gerichtstag.

Jeckel Rüdiger für Haberkorn hat seinen Anspruch eingeklagt gegen Jorg Leiendecker auf das Buch und hat Pfänder benannt, Büttel usw., wie es Recht ist. Das hat Jeckel festhalten lassen.

Lorentz Schnorr, Anwalt seiner Schwester Eva, hat gegen Henne Muller eine Einlage gemacht wie folgt: Lorentz Schnorr, Anwalt von Eva, der Witwe von Henne Kremer, gibt diese niedergeschriebene Antwort auf Henne Muller, der ein Erbe des verstorbenen Kremer vermeint zu sein. Und es hofft der Anwalt von Eva, dass Henne Kremer die Macht hatte, das Erbe an seine Schwester zu geben aus dem Grund, der bereits zuvor in der Streitsache erzählt wurde. Das will er als Antworter dem Gericht vorgelegt 

Registereinträge

Antwort (antworten)   –   Antworter   –   Anwalt   –   Back, Clese   –   Back, Dyna   –   Back, Elisabeth (Else)   –   Back, Hengen   –   Baumeister (Daxweiler)   –   Becker, Clesgin   –   Beklagte(r)   –   Beweis (beweisen)   –   Billigkeit (Unbilligkeit)   –   Buch (Gerichtsbuch)   –   Buettel (Ober-Ingelheim)   –   Buser, Philipp   –   Daxweiler (Kirche)   –   Daxweiler (Ort)   –   Decollacio sancti Johannis Baptiste   –   Egidius (Egidii)   –   Ehe (ehelich)   –   Eheleute   –   Erben   –   Erbschaftsangelegenheit   –   Erfolgnis (erfolgen)   –   Floßstadt, Hans von   –   Fluck, Leonhard (Lenhard)   –   Gerichtsbrief   –   Geschwister   –   Geständnis (geständig)   –   gift (giften)   –   Giftbuch   –   Haberkorn, N. N.   –   Hammes, Peter   –   Hattenheim, Stephan von   –   Hausfrau   –   Heischung (h) (heischen)   –   Helffrich der Wirt   –   Kannen (Wirtshaus)   –   Kaufvorgang   –   Keller (Kelner)   –   Klaeger(in) (Kläger)   –   Kosten   –   Kremer, Henne   –   Krieg (Streit)   –   Kriegsbefestigung   –   Lateinische Rechtsbegriffe (Auswahl)   –   Leben (leben)   –   ledig (ledigen)   –   Leiendecker, Jorg (Georg)   –   Mittwoch   –   Muller, Henne   –   Mutter (Mutter)   –   Notdurft   –   Pfand (Unterpfand)   –   Philipp, Henrich   –   Rechtsetzung   –   Recht und Billigkeit (Paarformel)   –   Redner   –   Ruediger (Rudiger), Jeckel   –   Schaden   –   Schnorr, Eva   –   Schnorr, Lorentz   –   Schrift (schriftlich)   –   Schwester   –   socios (Vollgericht)   –   Stieftochter   –   Stiefvater   –   Swinde, Peter   –   Tag (14-Tage-Frist)   –   Tagsetzung   –   Todesnachricht (Mensch)   –   ut (quod) juris (est)   –   verboten (Verbotung)   –   Viti et Modesti   –   Vortrag (Vorbringung)   –   Wald   –   Wirt (Schankwirt)   –   Witwe   –   Yrich, Cles   –