Das Ober-Ingelheimer Haderbuch 1518-1529 

Bl. 019

05.03.1521  / Fünfter Tag des Monats März

Transkription

kaūffenň vnd als{...}
coben / do hab er {...}
nen werenň jme {...}
eijn der Sweren ab{...}
Solichs ʃij geʃcheen vn{...}
thane vnd eijn forde{...}
zwo letzʃten kannen g{...}
ʃije deß marcks eijnß g{...}
cob von hagenaū die ka{...}
deckel oder kannen lijed{...}
bedūnckens gūter meijn{...}
wonheit geʃlagenň vnd{...}
die kannen / ʃinth gůt v{...}
ʃelbig(en) ʃij eijn frauwe der{...}
Qūinten zü geʃtanden / jnne{...}
hūʃch vnd laden / die ʃelbig {...}
Kannengijßer geʃagt / dū zūgʃt nur{...}
kaūffleute abe / dū verreterßer fleijʃch boße{...}
hab den ʃelbigen jacoben alʃo vbel geʃcholten {...}
eijn nachrichter kūm lijden ʃoltt / vnd alʃo hab er der kūnd
geʃagt zu jacoben dem kannengießer / daß er jme die
kannen jche vnd negell / So woll er ʃie holen waͤn er
heijm geijn jngelheijm gehen wolle / als er nū wid-
derūmb komen nach den kannen gefragt / hab er die
fūnden vff dem laden ʃtene / ʃijhen aber nit vßgeferti-
get geweʃt / vnd jn dem als meiʃter jacob die kannen
vollen macht / do hab die obg(e)n(ann)t fraūwe als vor vnd vor
jacoben obgemelter maijßen geʃcholt(en) mit vijlen ande(r)n
verkorenň worten / er nit alle behalt(en) hab / vnd ʃij die
g(e)n(ann)t fraūwe vff jrer thore geʃtanden vnd jnne meiʃ-
ter jacobs werckʃtatt geʃehen / vnd jre that alʃo mit
worten verhandelt vnd als deß benant(en) meiʃter ja-
cobs knecht ʃolich wort gehort / do ʃij er jn der werck-
ʃtadt vffgeʃtanden / vnd geʃagt zü ʃinem meiʃter jtztg(e)n(ann)t
Er der knecht arbeit keynem verreterßen fleijß boß-
wicht nit / Furter befragt der kūnd / ob er der
frauwen die ʃolichs gethane kūntʃchafft hab / vnd wie
die mit dem namen g(e)n(ann)t vnd weß Eelich frau ʃie ʃij /
Sagt der kund er wijß ʃolichs nit / Sunder er halt jß
ʃij deß benant(en) jacob von hagenaū nehʃt nachbūern

Übertragung

kaufen wollen. Eine Frau habe dort gestanden in Haus und Laden, die zu demselben Kannengießer gesagt habe: »Du ziehst nur die Kaufleute über den Tisch, du verräterischer Fleisch-Bösewicht.« Und sie habe den genannten Jacob übel gescholten, wie es ein Henker kaum erleiden sollte. Darauf habe er, der Zeuge, zu Jacob dem Kannengießer gesagt, dass er ihm die Kannen eichen und nageln solle. Er wolle sie holen, wenn er heim gehen wolle nach Ingelheim. Als er nun zurückkam und nach den Kannen gefragt habe, da habe er sie im Laden stehend vorgefunden. Sie seien aber nicht so gefertigt worden, wie Meister Jacob die Kannen habe machen wollen. Da habe die gleiche Frau wie zuvor Jacob in gleicher Weise wie zuvor beschimpft mit vielen anderen schlimmen Worten, die er nicht alle behalten habe. Und die genannte Frau habe in ihrer Tür gestanden und in Meister Jacobs Werkstatt gesehen, als sie so gehandelt habe. Und als der Knecht des genannten Meister Jacobs diese Worte hörte, da sei er von seiner Werkstatt aufgestanden und habe zu seinem genannten Meister gesagt: Er, der Knecht, arbeite für keinen verräterischen Fleisch-Bösewicht. Weiter wurde der Zeuge befragt, ob er die Frau, die solches getan habe, kenne und wie diese mit Namen heiße und wessen Ehefrau sie sei. Da sagt der Zeuge, er wisse solches nicht. Er nehme an, es sei des genannten Jacob von Hagenau nächste Nachbarin.

Registereinträge

Bösewicht   –   Deckel   –   Ehe (ehelich)   –   Ehefrau   –   Eichung (Schätzung)   –   Fleisch   –   Frau (Frau)   –   Gewohnheit (und Recht)   –   Hagenau, Jacob von   –   Haus (Haus)   –   Ingelheim (Dorf)   –   Jakob (Name)   –   Kanne (Behältnis)   –   Kannengießer   –   Kannengießer, Ele   –   Kaufmann (Kaufleute)   –   Kaufvorgang   –   Knecht   –   Kunde (Kundschaft, Kundsage)   –   Kunde (Zeuge)   –   Lade   –   Lid   –   Mark   –   Meister (Meister)   –   Nachbar   –   Nachrichter   –   nageln   –   St. Quintin (Mainz)   –   Tuer (Tür)   –   Werkstatt   –