Nieder-Ingelheimer Haderbuch 1521-1530 

Bl. 087v

19.12.1524  / Montag nach Lucie

Transkription

lich zübeweiʃenn mit vorbehaltenn nach Nottůrfft der Rechtenn
diße Clag zůmernn vnnd zůmindern Darŭff cleʃʃin ʃthŭp

Jtem Niclauß wober hoit ingelacht ein Schrifftlich clag zŭg(en)
Niclaus vonn wit vnnd widder hans haißma(n)ßhuʃer alʃo lutende Vor vch denn
lich als weber Ernveʃtenn S(chultheiß) / vn(d) S(chöffen) / des hel(igen) r(eichs) ger(icht) zu Neder Ingelnheim Er
Hanns vonn haß ʃthenn ich Niclauß vonn witlich burger zŭ Ober Ingelnheim vnd
manßhuʃenn Bringenn in der aller beʃtenn Form weiß vnnd geʃtalt inclage
weiß fũr zugegenn hanß von haßma(n)ßhũʃenn zů Neder jngelnh(eim)
iczundt awenma(n) ader wer in ʃeinem name(n) vons einet weg(en) in
Recht gegenn mir erʃtheinet / vnnd ʃagen war ʃein das in diʃʃe(n) ver-
ʃthinem Sŭmer in die decollacionis Iohannis baptiʃte mein(n)e Erbar
lichenn geʃtheffs vnnd kauffmanʃthaff zu Sanct Iohann bey ʃpre(n)
deling(en) gezogenn vnd etlich ducher do kaufft in willenn die gehen
Ober Ingelnheim in mein g[e]war zufŭren vnnd aber die nacht mich be
griffenn vnd zu Obernhilberʃŭm da ʃelbʃt Herberich geʃucht vnd
gebettenn vnnd als ich in des wirdts huß ʃin komen mit etlich(e)n
burgern von Obern Ingelnheim mein nachbarn iʃt hanß vonn
Haßmaßhŭʃen dergleichenn auch komen mit etlichen ʃeine(n) nachbŭrg(er)
vnnd ein kurtze weil da geʃeʃʃenn vnd gezert vnnd inʃolicher zeru(n)g
mich mit eyne(m) byelnn ine ʃeinem kopf gehawenn daß ich armer
himit der thot zeigenn kann das hanß an mir ʃoliche thot be
gangen hot welt ich lieber ʃo ichs vermocht hundert gld verlirm
Begernn herũmb von eũch Richternn hanʃen daran zuhaltenn vn(d)
weiʃenn / mit euwernmb richtlichenn ʃprŭch mir bilch kernu(n)g
zŭthŭn ʃthuldig laudt der clag / vnnd ob er nit geʃtheen / wil ich ʃo be-
ger ich ene das zemlich zubeweiʃenn Mit vorbhalte(n) nach noitturfft
diʃʃe clag zu mehern vnd zŭmindern Reŭs h(abe)t ʃthŭp ad pr(oximu)m

Jtem Cleß ʃthŭmacher hait die zweit clag gegenn Peter Stholn ge
brochenn iʃt nu dag geʃetz ad p(roxim)u(m) actŭm Sampʃtag nach Lucie v(or)g(enannt)

Jtem Dein cleß(en) vonn weinheim hait die drit heißŭng zeig(en) agnes
Stockin gebrochenn h(abe)t t(empus) ad pr(oximum) act(um) Dornnʃtag nach Lŭcie

Jtem Carlenn ʃthmidt ein 2 clag vff Iohann von Scharpfenʃtheins
verlaʃʃenn gŭter nach laŭdt der erʃthenn Mondags poʃt Lucie eg(enannt)

Übertragung

zu beweisen, unter Vorbehalt der Notdurft, diese Klage zu erweitern und zu mindern. Darauf erhält Clesgin Aufschub.

Niclas Weber von Wittlich hat eine schriftliche Klage gegen Hans von Assmannshausen eingereicht, die folgendermaßen lautet: Vor euch, den ehrenwerten Schultheiß und Schöffen des heiligen Reichsgerichts zu Ingelheim erscheine ich, Niclas von Wittlich, Bürger zu Ober-Ingelheim, und bringe in der allerbesten Form, Weise und Gestalt Klage vor gegen Hans von Assmannshausen, zurzeit Auenmann in Nieder-Ingelheim, oder wer in seinem Namen für ihn im Gericht gegen mich antritt, und sage, es ist wahr, dass ich im vergangenen Sommer am Tag der Enthauptung des Johannes [29. August] mit meinem ehrbaren Geschäft und Kaufmannsgut nach zu St. Johann bei Sprendlingen gezogen bin und dort etliche Tücher gekauft habe. Die wollte ich nach Ober-Ingelheim in meinen Verwahrung führen. Dann hat mich aber die Nacht überrascht und ich habe in Ober-Hilbersheim eine Herberge gesucht und mich gebettet. Als ich in das Wirtshaus kam, ist mit etlichen Bürger von Ober-Ingelheim, meinen Nachbarn, auch Hans von Assmannshausen mit etlichen seiner Nachbarn gekommen, hat kurze Zeit da gesessen und gespeist und hat mir während des Essens mit einem Beil in den Kopf gehauen. Das kann ich Armer wohl bezeugen, dass Hans an mir solche Tat begangen hat. Ich wollte lieber, so ich es könnte, 100 Gulden verlieren. Deshalb begehre ich von euch Richtern, Hans anzuhalten und ihm mit eurem richterlichen Spruch zu weisen, mir gemäß der Klage angemessene Wiedergutmachung zu leisten. Wenn er nicht gestehen will, so begehre ich, das gebührend zu beweisen unter Vorbehalt der Notdurft, diese Klage zu erweitern und zu mindern. Der Angeklagte hat Aufschub zum nächsten Gerichtstag.

Clese Schuhmacher hat die zweite Klage gegen Peter Stahl gebrochen. Ihm ist nun ein Verhandlungstermin am nächsten Gerichtstag angesetzt. Geschehen Samstag 17. Dezember 1524.

Clese Dein von Weinheim hat die dritte Heischung gegen Agnes Stockin gebrochen. Hat einen Verhandlungstermin am nächsten Gerichtstag. Geschehen am Donnerstag 15. Dezember 1524.

Karl Schmi3d erhebt gemäß der ersten seine zweite Klage gegen Johan von Scharfen-steins hinterlassene Güter. Montag nach 19. Dezember 1524.

Registereinträge

Assmannshausen, Hans (Johan) von   –   Auenmann   –   Beil   –   Bett (Möbelstück)   –   Buerger(in) (Ober-Ingelheim)   –   Decollacio sancti Johannis Baptiste   –   Dein, Clese (Clesgin)   –   Donnerstag   –   Herberge   –   Kaufmannsgut   –   kerung   –   Klagebruch   –   Kopf   –   Lucie virginis   –   Montag   –   Nachbar   –   Nacht   –   Nieder-Ingelheim (Dorf)   –   Notdurft   –   Ober-Hilbersheim (Ort)   –   Ober-Ingelheim (Dorf)   –   Reichsgericht (Ingelheim)   –   Samstag   –   Sankt Johann (Sprendlingen)   –   Scharfenstein, Johann (von)   –   schlagen (Schlägerei)   –   Schmied, Clesgin   –   Schmied, Karl (der)   –   Schuhmacher, Clese (Clesgin)   –   Sommer (Jahreszeit)   –   Sprendlingen (Ort)   –   Stahl, Peter   –   Stockin, Agnes   –   Tuch   –   Weber, Niclas   –   Weinheim (Frei-Weinheim)   –   Wirtshaus (Wirtshäuser)   –   Wittlich (Ort)   –