Haderbuch Groß-Winternheim 1490-1502 

Bl. 059v

06.11.1494  / Donnerstag nach Allerseelentag

Transkription

ʃpr(icht) er hab 1 vnd 2 3 vnd 4 clag getan vff Syffridt Swalbach
lut des gerichts buch begerth mitrecht zubeʃcheid(en) ob man(n) jme ʃin(er)
S(e)n(tent)ia wie er der 4 clage alʃo geʃtunde hat man(n) jme geʃtand(en) vffs buch v(er)bott er
clagen nach ʃol vnd Begerth wie er ʃin(er) clagen nach ʃol komen • Nach dem
komen Stűde als momp(ar) philips hirt(en) vnnʃers mitʃcheff(en) geʃell(en) mit
recht gefragt hait S(e)n(tent)ia das er die ʃchult behalt(en) ʃoll als recht
iʃt die meynnern vnd nit mern vnd ʃal das thun jn Jars friʃt
vnd die Scheffen vberhalp Hain den jr gerechtickeit geben
vnd ʃo er das thűn will ʃal erß dem widerteyl zuuor v(er)kund(en)

vnʃchult erlaʃʃe(n) Jtem her Johann hait Contz Swartzen der vnʃchult erlaʃʃe(n) dz
hat Contz ʃwartz v(er)bott

Jtem Hans Rampfus hat ʃich v(er)dingt ut Iur(is) herpelshenn
herpelshen zu red(en) vnd redt herpels hen woͤlt das recht der vnʃchult t(ra)g(en)
Ocul(us) Hans gein Ocul(us) Hanʃen Oculus hans redt darJnn / herpelshenn
wer jnn bann(e) darumb woͤll er getrue(n) er ʃol nit zur vn-
ʃchult gelaʃʃe(n) werd(en) Rampfus von weg(en) herpelshen(n) hait
begert zu oͤffen wie er angeʃprochen ʃij von ocul(us) hanʃen dz
jme geoͤffent wart v(er)bot er vnd redt als das widerteyl
anziege ʃin hauptma(n) ʃoͤl nit zur vnʃchult gen vrʃach das
er in bann(e) wer das geʃtűnd jme herpelshen nit / dan(n)
er ʃij jm Rich geʃeʃʃe(n) do es keyn gewonheit wer yemant jn
bann(e) zuthůn / vnd hoͤfft die jnrede von ocul(us) hanʃe(n) ʃoͤl jne
nit Jrren vnd ʃoͤl jne zu ʃyne(n) recht(en) Laʃʃe(n) komen Ocul(us) hans
redt wie vor zuʃchen herpelshen vnd oculus hanʃen nach
dem ocul(us) hans vorwent dz herpelshenn Jnn ban(n) ʃij vnd
S(e)n(tent)ia herpelshen dz nit geʃteht S(e)n(tent)ia das erß bybring(en) ʃoll gefr(ag)t
qu(ando) S(e)n(tent)ia in xiiij t(agen) et vltra vt mor(is)

Johannes diel Jtem Rudiger hat ʃich v(er)dingt ut jur(is) Johannes dieln jn ʃin
wort vnd begerth die kuntʃchafft von Hans flachen dem Schult(heißen)
als richter lut der ʃchuldigu(n)g / iʃt hans flach butig geweʃt vnd
Hans flach der hait philips buʃer Schult(heiß) zu oberJngelnh(eim) als an ʃtat des Richters
Schult(heiß) zu winternh(eim) / hans flachen vff ʃin gethan eydt er dem Scheff(en)
ʃchtul getan ermanet ʃin kuntʃchafft lut der ʃchuldigung zu ʃag(en)
jn byweʃe(n) byyveʃen beydert(eil) Daruff hait hans flach ʃchult(heiß)
geʃagt das jme wiʃʃen ʃij das vff ein gerichts tag nem
lich Engelhen gefordert Hab Johannes dieln jme antw(or)t

Übertragung

sagt: Er habe seine 1., 2., 3. und 4. Klage geführt gegen Siegfried von Schwalbach gemäß dem Gerichtsbuch. Er fordert den Gerichtsentscheid, ob man ihm seine 4. Klage gestehe. Die hat man ihm gestanden auf das Buch. Das hat er festhalten lassen. Er forderte, seiner Klage nachzukommen. Nachdem Stude als Bevollmächtigter von Philipp Hirt, unserem Mitschöffen, das Gericht gefragt hat, ergeht das Urteil: Er soll die Schuld behalten, wie es Recht ist, die vermindern und nicht vermehren. Und er soll das tun binnen Jahresfrist und die Schöffen von Oberingelheim dazu haben gemäß ihren Rechten. Und wenn er das tun will, dann solle er das der Gegenseite zuvor verkünden.

Her Johann hat Contz Schwartz den Unschuldseid erlassen. Das hat Contz Schwartz festhalten lassen.

Hans Rampfuß hat sich verpflichtet, für Henne Herpel vor Gericht zu reden und sagt: Henne Herpel wollte den Unschuldseid leisten gegenüber Hans Oculus. Hans Oculus redet dagegen, Henne Herpel sei im Bann. Darum vertraue er darauf, er werde nicht zum Unschuldseid zugelassen. Rampfuß für Henne Herpel hat gefordert, das Buch zu öffnen, wie er angeklagt worden sei von Hans Oculus. Das ist ihm geöffnet worden und er lässt es festhalten. Und er sagt: Wenn die Gegenseite seinen Mandanten nicht zum Unschuldseid zulassen wolle, weil er im Bann sei, das gestehe ihm Henne Herpel nicht. Denn er sei im Reichsgerichts ansässig. Dort ist es keine Rechtsgewohnheit, jemanden in den Bann zu legen. Und er hofft, der Einspruch von Hans Oculus soll ihn nicht irremachen und er soll ihn zu seinem Recht kommen lassen. Hans Oculus sagt wie zuvor. Zwischen Henne Herpel und Hans Oculus ergeht, nachdem Hans Oculus vorgewandt hat, dass Henne Herpel im Bann sei und dieser das nicht gesteht, das Urteil: Er solle es beweisen. Gefragt: Wann? Urteil: In 14 Tagen und dann weiter, wie es Gewohnheit ist.

Rudiger hat sich verpflichtet, für Johannes Diel vor Gericht zu reden und fordert den Beweis von Hans Flach, dem Schultheißen, als Richter gemäß der Beschuldigung. Hans Flach war dazu bereit. Und Philipp Bußer, Schultheiß zu Oberingelheim, hat anstatt des Richters zu Winternheim, Hans Flach auf seinen gegenüber dem Schöffenstuhl geleistete Eid ermahnt, sein Zeugnis gemäß der Beschuldigung zu geben in Anwesenheit beider Parteien. Darauf hat der Schultheiß Hans Flach gesagt: Er wisse, dass auf einem Gerichtstag Henne Engel gefordert habe, dass ihm Johannes Diel antworte.

Registereinträge

Antwort (antworten)   –   Bann   –   Beweis (beweisen)   –   Buch (Gerichtsbuch)   –   Buser, Philipp   –   Diel, Johannes (Johan)   –   Eidesleistung   –   Flach, Hans   –   Gericht (Winternheim)   –   Gerichtsbuch   –   Gewohnheit (und Recht)   –   Hauptmann   –   Herpel, Henne   –   Hirt, Philip   –   Ingelheimer Grund   –   Jahr (jährlich)   –   Johan (Pfarrer)   –   Kunde (Kundschaft, Kundsage)   –   Momber (Momberschaft)   –   Ober-Ingelheim (Dorf)   –   Oculus, Hans   –   Oeffnungsvorgänge (bei Gericht)   –   Rampfuß, Hans   –   Richter (richterlich)   –   Ruediger (Rudiger) (Name)   –   Schoeffen (Gerichtsschöffen)   –   Schoeffenstuhl (Schöffenstuhl)   –   Schuld (Schulden)   –   Schultheiß (Ober-Ingelheim)   –   Schultheiß (Winternheim)   –   Schwalbach, Siegfried (von)   –   sententia   –   Swartz, Contze   –   Unschuld (unschuldig)   –   verboten (Verbotung)   –   Widerteil (Gegenpartei)   –   Winternheim (Dorf)   –