Haderbuch Groß-Winternheim 1490-1502 

Bl. 054

04.09.1494  / Donnerstag nach Egidius

Transkription

Stude redt er aͤchte des widerteyls reden nit vß der vrsach eyn
yder möcht eym verbiet(en) das er nit vff das ʃin gehe od(er) vff
dem ʃin neme / darűmb hab er nit jn recht geʃtalt das er
rechttag dar an hab das zuu(er)teding(en) vnd wóll mit allen ʃin
vorgethanen word(en) zu recht geʃtalt han wie vor Rampfuß
von weg(en) metzelhens redt dwil metzelhen geyßpeßheym(e)rn
j morg(en) geʃtunde vnd geyßpeßheim(er) nit geʃten woͤlt das er
jme etwas vff ʃynem teyl abʃgeʃnid(en)b Habe / ʃond(er) nit witer
dan(n) wes ʃin geweʃt ʃij ʃo hofft metzelhen geyßpeßheim(er) ʃolt
es by bring(en) das er nit wit(er) genome(n) hab dan(n) das ʃij

metzelhen(n) Nach anʃpr(ache) antwort vnd beyderteyl rechtʃatz S(e)n(tent)ia wes
S(e)n(tent)ia metzelhen bybringt das Jme geyßpeßheym(er) genome(n) habe
geyßpeßhem(er) das ʃoll jme geyßpeßheym(er) ker(e)n das hat geyßpeßheym(er) v(er)bott
vnd metzelhen hat es auch v(er)bot vnd fragt wie erß bÿ ʃoͤll
bring(en) S(e)n(tent)ia ut jűr(is) v(er)bot gefr(a)gt qu(ando) S(e)n(tent)ia in xiiij t(agen) et
ult(ra) ut mor(is) mit beheltnis dem widert(eil) ʃin(er) jnrede ambo
verbott

Johanneß diel Jtem Rudiger hat ʃich verdingt ut Iur(is) von weg(en) Ioh(an)nes
dieln zu red(en) vnd redt wie das Engelhen Joh(an)nes dieln
hans flach hie vor gericht zugeʃprochen Hab vff ein zit do Hab ʃich diel
vff die zit gewert er ʃoll Engelhen nit antw(or)t geben dan(n)
Joh(an)nes diel getrw̋t das Engelhen ʃoͤlt ʃten jn ʃyne(n) recht(en)
vnd vff die ʃelbig zit hab der Richt(er) des ʃchub genome(n) do ʃij dar
nach gewyʃt word(en) das Joh(an)nes diel ʃoͤl engelhen antwort
geben do hab ʃich Joha(n)nes diel butig gemacht / von ʃolichem
handel hab hans flach der Schult(heiß) ein wiʃʃen von / das er ʃolich
ʃin wiʃʃe(n) nit do von ʃage noc(et) Joh(an)nes dieln xx gld
Alʃo hat der Schult(heiß) ʃich der fryheit gebrucht vnd xiiij tag
ʃchub genome(n) ʃich zubedenck(en) vff die ʃchuldigung vnd vort(er)
ʃin wiʃʃe(n) zu ʃag(en) ut jur(is) das hat johannes diel v(er)bott

erk(ann)t Jtem Coͤntzgin moͤll(er) erk(enn)t moͤll(er)hen(n) ij gld ein in viij
tag(en) den ander(e)n in menʃe

erk(ann)t Jtem hen grabenmech(er) erk(enn)t wentzgis heng(in) viiɉ alb
ad p(roximu)m ju[diciu]m

Jeckel ʃnade Jtem Rudig(er) hat ʃich v(er)dingt als recht iʃt jeckel ʃnad vonn
Steffans emel oberjngelnheim in der offhoben redt er Hab am nehʃten gericht

Übertragung

Stude sagt: Er beachte die Rede der Gegenseite nicht, denn ein jeder könne einem anderen verbieten, dass er nicht auf seinen Besitz gehe oder ihm das Seinige wegnehme. Darum habe er es nicht vor Gericht gefordert, so dass er einen Gerichtstag gehabt hätte, um das zu verhandeln. Und er wolle das mit allen zuvor gemachten Worten dem Gericht vorgelegt haben wie zuvor. Rampfuß für Henne Metzel sagt: Weil Henne Metzel Geißpisheimer einen Morgen gestehe und Geißpisheimer nicht gestehen wolle, dass er ihm einen Teil der Ernte genommen habe, sondern nicht mehr als was ihm war, daher hofft Henne Metzel Geißpisheimer solle den Beweis erbringen, dass er nicht zu viel genommen habe, über das Seinige hinaus. Nach Anklage, Antwort und beiderseitigen Rechtsatzungen ergeht das Urteil: Was Henne Metzel beweise, das Geißpisheimer ihm genommen habe, das soll ihm Geispitzheimer erstatten. Das hat Geißpisheimer festhalten lassen und Henne Metzel hat es auch festhalten lassen. Und er fragt, wie er es beweisen solle. Urteil: Mit Gerichts-Beweis. Festgehalten. Gefragt: Wann? Urteil: In 14 Tagen und dann weiter, der Gegenseite den Einspruch vorbehalten. Beide festgehalten.

Rudiger hat sich verpflichtet, für Johannes Diel vor Gericht zu reden und sagt: Dass Henne Engel Johannes Diel hier vor Gericht angeklagt habe vor einiger Zeit. Da habe sich Diel damals gewehrt, er solle Henne Engel keine Antwort geben. Denn Johannes Diel vertraue darauf, Henne Engel solle eigentlich ihm antworten müssen. Damals hatten die Richter Aufschub genommen. Danach sei gewiesen worden, dass Johannes Diel Henne Engel Antwort geben solle. Dazu war Johannes Diel bereit. Von dieser Streitsache wisse Hans Flach, der Schultheiß. Dass er sein Wissen nicht sage, das schade Johannes Diel 20 Gulden. Darauf hat der Schultheiß von seiner Freiheit Gebrauch gemacht und 14 Tage Aufschub genommen, um sich zu bedenken wegen der Beschuldigung und dann weiter sein Wissen zu sagen, wie es Recht ist. Das hat Johannes Diel festhalten lassen.

Contzgin Müller erkennt an, Henne Müller 2 Gulden zahlen zu müssen, einen in 8 Tagen, den anderen in einem Monat.

Henne Grabenmacher erkannt an, Hengin Wentzgis 7 ½ Albus zahlen zu müssen bis zum nächsten Gerichtstag.

Rudiger hat sich verpflichtet, für Jeckel Schnade von Oberingelheim in der Uffhube. Er sagt: Er habe am letzten Gericht

Registereinträge

ad proximum (judicium)   –   Albus (alb)   –   Antwort (antworten)   –   Beweis (beweisen)   –   Diel, Johannes (Johan)   –   Einrede   –   Engel, Henne   –   Flach, Hans   –   Freiheit   –   Geißpisheimer, N. N.   –   Gericht (Winternheim)   –   Grabenmacher, Henne   –   Gulden (fl)   –   mens (mensis, mense)   –   Metzel, Henne   –   Morgen (Maß)   –   mos (moris)   –   Muller, Contzgin   –   Muller, Henne   –   Ober-Ingelheim (Dorf)   –   Rampfuß   –   Richter (richterlich)   –   Ruediger (Rudiger) (Name)   –   Schnade, Jeckel   –   schneiden   –   Schub   –   Schultheiß (Winternheim)   –   sententia   –   Stude, N.N.   –   Tag (14-Tage-Frist)   –   Uffhub   –   verboten (Verbotung)   –   Wentzgis, Hengin (Henne)   –   Widerteil (Gegenpartei)   –