Haderbuch Groß-Winternheim 1490-1502 

Bl. 044v

17.04.1494  / Donnerstag nach misericordia domini

Transkription

ve(r)ʃigellung gebeten vnd es ʃij auch die gemeyn form
das gar ʃelten eynche biderman vor den ander(e)n ʃin
Sigell an druck oder henck on gebeten vnd dem allem
nach ʃo ʃÿen die gemelt(en) ʃo v(er)ʃiegelt haben vor aůgen
in getrwen ʃo es noit ʃin ʃie wu(r)d(en) des ge ʃten deßhalb
Rytz billich der ve(r)ʃchribung vort(er) gingen vnd völg thett jn
hoffnu(n)g al ʃo erteylt we(r)d(en) ʃöll Stude redt / des widerteyls ge-
than redte alle zuu(er)antwort(en) behalt er ʃin(er) p(ar)tÿen vor bis
die v(er)melt kunt ʃchafft gehört we(r)de in hoffnu(n)g er ʃöll zu
der kund gelaʃʃen werd(en) was dan(n) vort(er) recht ʃij das geʃchee
Stiller Hofft des widerteyls antw(or)t oder ʃin kuntʃchafft fůrn
ʃöll jne gentzlich nichts hindern an der v(er)melt(en) v(er)ʃchribung
vnd ʃtaͤltz zu Recht wie vor

S(e)n(tent)ia Nach ansproch antwort vnd beyderteyl Rechtʃaͤtze S(e)n(tent)ia ʃo
Rytz durch ʃin redene(r) hat kund gemelt die ʃöll gehort we(r)d(en)
beheltlich dem widerteyl ʃin(er) Jnrede vnd ʃal vort(er) beʃcheen
ʃo vil recht ʃin wirdt dz v(er)bott Stude exp(ar)te Rytzen vnd fragt
qu(ando) S(e)n(tent)ia in xiiij tagen et ult(ra) ut mor(is)

Jtem wilhelm von Bechtelßheim hat ʃich v(er)dingt philips
phil(ipp) flachen flachen nachgelaʃʃen witwe kungutten vnd friderich flachen
witwe jn jr wort ut jur(is) vnd ʃagt ʃie wer(e)n jn will(e)n ʃolich
friederich flach vnderpfande ʃo vff katheringin pet(er) ʃwa(r)tze(n) ʃelig(en) witwe jnen
vor x gld gelts v(er)lacht hett vff zuhoͤln alʃo hab ʃie
der lantʃchriber zu oppenheim von weg(en) vnʃers gnedigʃt(en)
her(e)n pfaltzg(ra)uen ʃolich vffholung ein monat Lang an
laʃʃen zuʃten gebeten / doch vnůbergeben menlich ʃin(er)
gerechtickeit

Ebolt hűn Jtem Stiller der Schult(heiß) zu Gerawe hat ʃich v(er)dingt ut jur(is)
von orhelgen henn zörn ʃin wort zuthun / vnd redt nach dem hengin
zörn vor ein(er) zit ein ve(r)ʃchribung jngelegt habe berurn ebalt
friderich flach(en) beyern zu orhelgen oder witer wie die verʃchribung Inhelt
kungutt phil(ipp) nū ʃij ytzunt verleʃen word(en) ein v(er)legung od(er) v(er)pfendung
flachen witwe die ʃoll in nachvölg der ʃelb(en) v(er) ʃchribung vnd Junger beʃcheen
ʃin vnd do wider vermeÿnt hen zörn von weg(en) ʃin(er)
hauptlűt die v(er)legung oder ve(r)pfendung ʃölt durch den
ʃelb(en) Swartz petern ʃin huʃfr(au) oder mit anhang billich

Übertragung

Versiegelung gebeten habe. Und sei auch die allgemeine Form, das gar selten ein Ehrenmann vor dem anderen sein Siegel aufdrücke oder anhänge, ohne darum gebeten worden zu sein. Und zudem seien die Genannten, die versiegelt haben, hier vor Augen. Er vertraue darauf, sie würden, wenn das notwendig sei, dies gestehen. Daher solle Heinritz der Verschreibung gemäß handeln und Folge tun. Er sei der Hoffnung, dass so geurteilt werde. Stude sagt: Auf die Reden der Gegenseite zu beantworten behalte sich seine Partei vor, nachdem die genannten Zeugen gehört wurden; in der Hoffnung, ihm sollen seine Zeugen zugelassen werden. Was dann weiter Recht ist, das geschehe. Stiller hofft, weder die Antwort der Gegenseite noch die Vorbringung von Zeugen solle ihn an der angeführten Verschreibung hindern. Das legt er dem Gericht vor. Nach Anklage, Antwort und beiderseitigen Rechtsatzungen ergeht das Urteil: Da Heinritz sich durch seinen Redner auf Zeugen berufen hat, so sollen die gehört werden, der Gegenseite die Gegenrede vorbehalten. Dann solle weiter geschehen, wie es Recht sein wird. Das lässt Stude für Ritz festhalten und fragt: Wann? Urteil: In 14 Tagen und dann weiter, wie es Gewohnheit ist.

Wilhelm von Bechtoltsheim hat sich verpflichtet, für die von Philipp Flach hinterlassene Witwe Kunigunde und für Friedrich Flach vor Gericht zu reden und sagt: Sie wollten die Pfänder, die Katharina, die Witwe des verstorbenen Peter Schwartz für 10 Gulden hinterlegt hätte, einziehen. Nun hätten sie der Landschreiber zu Oppenheim für unseren Herrn den Pfalzgrafen gebeten, die Einziehung einen Monat anstehen zu lassen. Doch ohne Verlust an der Gerechtigkeit eines jeden.

Stiller, der Schultheiß zu Gerau, hat sich verpflichtet, für Henne Zorn vor Gericht zu reden und sagt: Hengin Zorn hat vor einiger Zeit eine Verschreibung vorgelegt berührend Ebalt Beyer zu Arheilgen und weiter, was die Verschreibung beinhalte. Nun sei sie jetzt verlesen worden. Eine Verpfändung soll die Folge der Verschreibung und zuerst geschehen sein. Daher meint Henne Zorn für seine Mandanten, die Verlegung oder Verpfändung sollte durch Peter Schwartz, seine Frau oder den Anhang billiger Weise

Registereinträge

Ansprache   –   Antwort (antworten)   –   Arheiligen (Ort)   –   Aufholung (aufholen)   –   Auge   –   Bechtolsheim, Wilhelm von   –   Biedermann   –   Einrede   –   Flach (Flechin), Kungutt   –   Flach, Philipp   –   Flach von Schwarzenberg, Friedrich   –   Gerau (Ort)   –   Gerechtigkeit   –   Gulden (fl)   –   Hauptmann   –   Hausfrau   –   Hun, Ebalt (Ewalt, Debolt)   –   Kunde (Kundschaft, Kundsage)   –   Kunde (Zeuge)   –   Landschreiber (Oppenheim)   –   Monat   –   Partei   –   Pfalzgrafen bei Rhein   –   Pfand (Unterpfand)   –   Rechtsetzung   –   Redner   –   Ritz (Heinritz)   –   Schultheiß (Gerau)   –   sententia   –   Siegel (besiegeln)   –   Stiller   –   Stude, N.N.   –   Swartz, Katharina   –   Swartz, Peter   –   Tag (14-Tage-Frist)   –   Todesnachricht (Mensch)   –   verboten (Verbotung)   –   Verpfändung   –   Verschreibung   –   vorlesen (verlesen)   –   Widerteil (Gegenpartei)   –   Witwe   –   Zorn, Henne (Hengin)   –