Haderbuch Groß-Winternheim 1490-1502 

Bl. 036

14.03.1493  / Donnerstag nach Gregorius papa

Transkription

cleʃgin becker Jtem Steffan gruͤnwalt hat ʃich v(er)dingt ūt Jur(is) cleʃgin beckern
peter ʃchere(r) in ʃin wort vnd ʃagt er begert die kunde zů offen berůrn peter
ʃcherern / die jme geoffent wart redt er vorter nach dem die kunde
vil wort jnhabe der er keins geʃtee als er ʃag(en) wöll dan(n) es mög
ʃin das peter ʃchere(r) an cleʃgin beckern geʃond(en) Habe etlich pfant
gut vff vlmer(e)n zů kaūff(en) domit ʃie zů beyndenteyln bezalt wu(r)d(en)
darvff er jme antw(or)t hab geben ʃo ferre es vlmern Liep wer
ʃo möcht erß wol lid(en) ʃij auch dar vff zů vlmern komen vnd
jme das vor(r) gehalt(en) do hab vlmer zů jme geʃagt Lieber ich han
von dir oder von keynem vor gut das er pfantgut vff mir kauff
deßhab(en) Hab erß vnderweg(en) gelaʃʃen / vlmer ʃij auch dar-
nach ʃelber zů cleʃgin beckern komen vnd an jne geʃond(en) das
er den wingart(en) jnn der kunde vermelt zů ʃin hand(en) ne-
men wöll vnd jne den Laʃʃen buwen ʃo wöll er jne mit
der blomen daruff erwachʃen wůrd(en) in abʃlag der ʃcholt bezal(e)n
ʃo lang er bezalt wu(r)de / do Hab cleʃgin becker neyn geʃagt / vnd
hofft darvmb das jne hen vlmers ʃage an ʃynem recht(en)
nit hindern ʃöll vrsach wan(n) es alʃo gehalt(en)ʃölt werd(en)
ʃo ʃägt vlmer in ʃin notz(en) / ob das ʃchone nit wer ʃo ʃij das
ein eynig p(er)ʃone die jne des auch nit beʃag(en) moge / dar zů
ein ʃachwelter / vnd höfft das peter nit by bracht habe ʃonder
ʃöll jme ʃin abkaufft(en) win bezaln vnd ʃtalt dz zů recht
Stude Hat ʃich v(er)dingt peter ʃcherern in ʃin wort ūt jur(is)
vnd redt man(n) hab gehort der kuͤnde ʃage wöll er verbot(en)
auch find man Jm buch wie ʃich die p(ar)thyen in clag vnd
antwort v(er)meʃʃen Haben / deʃʃhalb(en) ʃin parthÿ bewegt ʃij
geweʃt vff kunde nemlich henn vlmern(n) / nü wendt
cleʃgin becker fuͤr / vlme(r) ʃöll jne nit beʃag(en) / als ob er vlmer(e)n
aller ʃin(er) wort nit geʃten wöll / vnd geb doch geʃtentnúß
mit ʃin ʃelbs redd(en) ytzt die vlmers ʃage gar nahe glich
ʃtee nemlich jn dem artickel das er erkennt / wie peter
ʃchere(r) zuͦ jme hen vlmer(e)n komen ʃij vnd geʃagt er wöll jne ʃin(er) ʃcholt
bewiʃen vff jme hen vlmern(n) / do hab vlme(r) geʃagt ʃo ferre es
cleʃg(in) tün wöll etc domit geʃtee cleʃgin / hen vlmers
ʃage das wöll ʃin p(ar)thÿ annemen vnd wes er wit(er)
vß zuge redde in meynu(n)g die kuͤnde zuu(er)werff(en) höff
ʃin p(ar)thÿ nit geracht w(er)d(en) ʃöll ʃonder wolbÿbracht zu han
lut des widerteyls ʃelbs erkentnis vnd ʃtältz zu recht
Steffan exp(ar)te cleʃgin beckers redt nach dem peter ʃchere(r)
durch Stud(en) redd(en) laʃʃe / ʃin p(ar)thÿ Hab der kundt ʃage etlich(er)

Übertragung

Steffan Grunwalt hat sich verpflichtet, für Cles Becker vor Gericht zu reden und sagt: Er fordert die Beweise zu öffnen betreff Peter Scherer. Die wurden ihm geöffnet und er redet weiter: Die Zeugenaussagen enthalten viele Worte, von denen er keines gestehe, dass es das aussage, was er sagen wolle. Denn es könne sein, dass Peter Scherer von Cles Becker etliches an Pfandgut auf Ulmer kaufen wollte, damit sie beiderseits bezahlt würden. Darauf gebe er ihm eine Antwort, wenn das Ulmer lieb wäre, das möchte er ertragen. Auch dass er zu Ulmer kam und ihm das vorgeschlagen habe. Da habe Ulmer zu ihm gesagt: Entweder ich werde von dir beliefert oder von keinem für das Gut, das er als Pfandgut von mir gekauft hat. Deswegen habe er es unterlassen. Ulmer sei auch danach selber zu Cles Becker gekommen und habe von ihm folgendes verlangt: Wenn er den Wingert, auf den sich das Zeugnis bezieht, zu seinen Händen nehmen wolle und bebauen, so wolle er den Ertrag als Abschlag der Schuld nehmen, so lange bis sie bezahlt wurde. Da habe Cles Becker Nein gesagt. Und er hofft deswegen, dass ihn Henne Ulmers Aussage an seinen Rechten nicht hindern sol. Denn wenn es so gehalten werden solle, so sage Ulmer für seinen Nutzen aus und wenn das nicht wäre, so sei es wie eine Person, die auch nicht den Beweis erbringen könne als Sachwalter. Daher hofft er, dass Peter den Beweis nicht erbracht habe, sondern es solle ihm der abgekaufte Wein bezahlt werden. Das legt er dem Gericht vor. Peter Stude hat sich verpflichtet, für Peter Scherer vor Gericht zu reden und sagt: Man habe die Zeugenaussage gehört. Die wolle er festhalten lassen. Auch finde sich in dem Buch, dass sich die Parteien zu Klage und Antwort gefordert haben. Deshalb wurde seine Partei bewegt, Zeugen beizubringen, nämlich Henne Ulmer. Nun wendet Cles Becker vor, Ulmer solle ihn nicht belangen, als ob er Ulmer seine Worte nicht gestehen wolle. Und er gebe doch selbst ein Geständnis ab mit seinen Worten und ist dies Ulmers Aussage ganz nahe. Es stehe nämlich in dem Artikel, dass er erkennt, dass Peter Scherer zu Henne Ulmer gekommen sei und gesagt habe, er wolle ihm seine Schuld übertragen auf Henne Ulmer. Da habe Ulmer gesagt, wenn es Cles tun wolle usw. Damit gestehe Cles Henne Ulmers Aussage. Das wolle seine Partei annehmen. Und was der Zeuge weiter rede in der Meinung den Beweis zu verwerfen, so hoffe seine Partei, dass solle nicht verglichen werden, sondern er habe den Beweis wohl erbracht gemäß dem Bekenntnis der Gegenseite. Das legt er dem Gericht vor. Steffan für Cles Becker sagt: Nachdem Peter Scherer durch Stude hat reden lasse, seine Partei habe die Aussage des Zeugen

Registereinträge

Abschlag   –   Antwort (antworten)   –   Artikel   –   Becker, Clesgin   –   Buch (Gerichtsbuch)   –   Geständnis (geständig)   –   Grunwalt, Stefan   –   Hand abtun   –   Kunde (Kundschaft, Kundsage)   –   Oeffnungsvorgänge (bei Gericht)   –   Partei   –   Pfand (Unterpfand)   –   Scherer, Peter   –   Stude, N.N.   –   Ulmer, Henne   –   verboten (Verbotung)   –   Wein (Wein)   –   Widerteil (Gegenpartei)   –   Wingert   –